
Strafanzeige gegen unfreiwillige Kunden
Opfer von softwarerapid.de erhalten derzeit einen ganz besonders feinfühligen Hinweis, doch einmal zu zahlen: anderenfalls droht das Unternehmen nämlich angeblich mit einer Strafanzeige wegen Betruges!
Anlass genug, selbst eine Strafanzeige zu prüfen, nämlich wegen versuchter Erpressung.
jede Menge Ungereimtheiten
zunächst aber zum Vorspiel. Der "Kunde" wird - wie bei Abofallen so üblich - durch google-Werbung auf die Seiten des Betreibers gelenkt, dort ist eine Anmeldemaske mit verstecktem Preishinweis und schon soll man zahlen. (Details anhand einer anderen Abofalle, vergleichbar)
Interessanterweise ist Betreiber der Seite eine gewisse "UltContent Solutions" aus Kröpelin bei Rostock, Geschäftsführer: der altbekannte Alexander Henning. Oder doch "Hennig" ohne "n"? Da keine Rechtsform daneben steht, handelt Herr Henning offenbar selbsthaftend. Dann verschickt eine "Firma" namens "Payment Networx MV" (aus Rostock, Geschäftsführer: wieder Alexander Henning) eine Mahnung, in der mitgeteilt wird, die Forderung der "UltContent Solutions" sei an die "Payment Networx MV" abgetreten worden. Herr Henning hat also seine angebliche (in Wahrheit aber nicht bestehende) Forderung an sich selbst abgetreten. Er hat sich selbst also gar nichts übergegeben. Davon wird es auch nicht mehr, oder etwa doch?
Immerhin macht er ja jetzt Mahngebühren von 10 € und "Auslagenpauschalen" von 3,50 bzw. 4,68 € geltend, allerdings ohne Mehrwertsteuer. Ein Hinweis ans Finanzamt Rostock dürfte hier (neben dem Verdacht auf fehlende IST-Versteuerung) für Aufklärung sorgen, warum bei den Mahnkosten keine Mehrwertsteuer ausgewiesen ist.
Sodann wird in der zweiten Mahnung - die nicht "zweite Mahnung" heißt, sondern "Strafanzeige wegen Betrug" - von der "Rechtsabteilung" hingewiesen, dass man sich ja "unsere" Dienstleistungen erschleichen wollte. Wer ist "uns"? Die der "Payment Networx MV" (die sich angeblich nur eine "Forderung" zur Inkassierung hat "abtreten" lassen und nun angeblich Strafanzeige stellen will) oder die "UltContent Solutions", die die ominöse Webseite betreibt?
die bisherige Erfahrung: es gibt keine Strafanzeigen
Selbst wenn Herr Henning gegen seine "Kunden" tatsächlich Strafanzeigen stellen würde, so würden diese vermutlich allesamt zur Einstellung führen. Darum würde er höchst wahrscheinlich ohnehin keine Strafanzeige stellen, wenn man nicht zahlt: er würde sich ja selbst in die Gefahr einer Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung begeben. Bisher ist jedenfalls nicht bekannt, dass Herr Henning Strafanzeigen wegen Betrug gestellt hätte, obwohl es bisher schon mehr als nur "den Einen oder Anderen" gegeben haben dürfte, der seine frechen Rechnungen nicht beglichen hat.
Die Drohung mit der Strafanzeige dient also offenbar dem Zweck, einem gewissen Prozentsatz der Empfänger seine unberechtigten "Forderungen" abzupressen.
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